Presse

Pressemitteilung & Interview

Hightech für die Kleinen: Kinderradiologen diskutieren mit Experten für Kinder- und Jugendmedizin

Sie arbeiten nah am Patienten und haben ein breites Fachwissen: Ärztinnen und Ärzte sowie Medizinisch-Technische Radiologie-Assistent/innen (MTRA) in der Kinderradiologie sorgen mit hochspezialisierter Technik dafür, dass bei Früh- und Neugeborenen, Säuglingen, Kindern und Jugendlichen die richtigen Diagnosen gestellt werden. Vom 20. bis 23. September 2017 treffen sie sich in Köln zur Jahrestagung der Gesellschaft für Pädiatrische Radiologie (GPR), die im Rahmen des Kongresses für Kinder- und Jugendmedizin stattfindet.

Köln/Berlin, 13. September 2017. Von der Fetalzeit bis zum Erwachsenenalter: Kinderradiologen untersuchen Patienten mit einem großen Alters- und Krankheitsspektrum. Die Schwerpunkte der diesjährigen Tagung der GPR sind deshalb breit gefächert: Das Spektrum reicht vom akut kranken zu früh Geborenen („Frühchen“), Neugeborenen und Säugling über die Bildgebung bei Lungenkrankheiten und Neuroblastomen (Krebserkrankung des Nervensystems) sowie bei chronischen Erkrankungen bis hin zum Aufdecken von Kindesmisshandlung.

Mehr als nur technisches Wissen
Für diese Vielfalt benötigen Kinderradiologinnen und Kinderradiologen eine umfassende Expertise. Sie müssen eine große Zahl an Krankheitsbildern für alle Altersgruppen kennen, inklusive der daraus folgenden Therapieoptionen. Nur so können sie die passende Untersuchung auswählen. Die Hightech-Verfahren müssen genau auf die Bedürfnisse der Kinder angepasst werden, denn: „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen“, erklärt PD Dr. Friederike Körber, Kinderradiologin an der Uniklinik Köln, Wissenschaftliche Leitung der GPR-Jahrestagung sowie Vorstandsmitglied der Deutschen Röntgengesellschaft. Hohe technische und medizinische Fachkenntnis werden ergänzt durch psychologisches Geschick. Denn Kinderradiologen haben sehr engen Kontakt zu ihren jungen Patienten, die eventuell nicht stillhalten und denen große Apparaturen wie der Magnetresonanztomograf (MRT) oder der Computertomograf (CT) oft Angst einflößen. Die Eltern wiederum möchten zu Risiken und Untersuchungsergebnissen genau und verständlich beraten werden.

Priorität Strahlenschutz
Auch der Strahlenschutz ist ein wichtiges Thema, denn Kinder sind sensibler für Strahlung als Erwachsene. Auch wenn der Einsatz von Bildgebung oft lebensrettend sein kann, gilt es, bei anderen, insbesondere chronischen Erkrankungen, laufend daran zu arbeiten, die Strahlenexposition bei Röntgen und CT weiter zu verringern und neue Diagnosemethoden zu entwickeln. Beispiel Glasknochenkrankheit: Betroffene im Kindes- und Jugendalter müssen jährlich zum Röntgen der Wirbelsäule, um den Krankheitsverlauf zu kontrollieren. Die Kölner Kinderradiologie wendet bei dieser Erkrankung die strahlenarme Knochendichtemessung DXA an, die „dual energy X-ray absorptiometry“. „Patienten aus ganz Deutschland kommen für diese Untersuchung zu uns, da wir bundesweit die einzige Sondergenehmigung haben, DXA bei Glasknochenkrankheit für bestimmte Fragestellungen anzuwenden“, erzählt PD Dr. Körber.

Alternativen zu Röntgenstrahlen
Auch auf anderen Wegen versuchen die Kinderradiologen Röntgenstrahlen zu vermeiden, indem sie etwa stattdessen die Sonografie oder die MRT zur Diagnostik einsetzen. Für die MRT benötigen sie in manchen Fällen Kontrastmittel, die aufgrund ihrer magnetischen Eigenschaften bestimmte Strukturen kontrastreich sichtbar machen, die man sonst nicht beurteilen könnte. Aufgrund möglicher Ablagerungen dieser Gadolinium-haltigen Kontrastmittel im Körper (zum Beispiel im Gehirn) wägen die Kinderradiologen den Einsatz von MR-Kontrastmitteln bei jedem Patienten genau ab. Eine Alternative zum Röntgen und zum MR-Kontrastmittel ist ebenfalls Thema auf dem Kongress: die kontrastverstärkte Ultraschalluntersuchung (Contrast Enhanced Ultra Sound, kurz CEUS). Gasgefüllte Mikrobläschen fungieren als Kontrastmittel und werden bei Kindern etwa zur Abklärung der Ursache von fieberhaften Harnwegsinfekten eingesetzt. So kann auf die bisher übliche Röntgenuntersuchung namens „Miktionszystourethrogramm“ verzichtet werden.

Mehr Informationen rund um die Herausforderungen der Kinderradiologie lesen Sie im Interview mit PD Dr. Friederike Körber.

Über die GPR-Jahrestagung
Die 54. Jahrestagung der Gesellschaft für Pädiatrische Radiologie (GPR) e. V. findet vom 20. bis 23. September 2017 in Köln statt. Dort präsentieren Experten aktuelle Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Kinderradiologie. In diesem Jahr findet die Tagung erstmalig gemeinsam mit dem Berufsverband Kinderkrankenpflege Deutschland, der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie, der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin und der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin im Rahmen des Kongresses für Kinder- und Jugendmedizin statt. Weitere Informationen finden Sie unter dgkj2017.de.

Programmhinweise
Alle genannten Veranstaltungen finden im Congress Centrum Kölnmesse Ost statt.

Gadolinium: Vortrag im Rahmen der Tagungseröffnung der GPR am Donnerstag, 21.09.2017, 8:30 Uhr, Konferenzraum 3-5
Lungenbildgebung: Interdisziplinäre Sitzung am Donnerstag, 21.09.2017, 14:45 Uhr, Konferenzraum 3-5
Kindesmisshandlung: Interdisziplinäre Sitzung am Donnerstag, 21.09.2017, 16:30 Uhr, Konferenzraum 3-5
Der akut kranke Säugling: Interdisziplinäre Sitzung am Freitag, 22.09.2017, 8:30 Uhr, Konferenzraum 3-5
Neuroblastombildgebung: Interdisziplinäre Sitzung am Freitag, 22.09.2017, 13:00 Uhr, Konferenzraum 3-5

veröffentlicht am Donnerstag, 31. August 2017