Professor Dr. Werner Schuster 1931-2017

Die GPR trauert um ihr Ehrenmitglied und langjährigen Vorsitzenden

Professor Dr. Werner Schuster, der am 13. Dezember 2017 verstorben ist

1931 – 2017

Nachruf  

Werner Schuster wurde am 26. Juni 1931 in Saarbrücken geboren. Nach dem Abitur studierte er mehrere Semester in der Meisterklasse des berühmten Pianisten Walter Gieseking Klavier. Der Wunsch, Konzertpianist zu werden, ließ sich aber nicht verwirklichen.

Werner Schuster wandte sich der Medizin zu und begann in den Fünfzigerjahren an der Universität Heidelberg die Ausbildung zum Kinderarzt. Er lernte dort seine zukünftige Frau, ebenfalls angehende Kinderärztin, kennen. Beide heirateten bald, da man zur damaligen Zeit zum Bezug einer gemeinsamen Wohnung einen Trauschein benötigte.

Beide hatten einen gemeinsamen Doktorvater, beide wechselten dann an das v. Hauner‘ sche Kinderspital der Universität München, wo sich Werner Schuster 1966 mit einer Arbeit über röntgenologische Knochendichtemessungen habilitierte. Beide setzten ihre ärztliche Tätigkeit an der Kinderklinik der Universität Erlangen fort, wo Werner Schuster als Oberarzt die Kinderradiologische Abteilung leitete und ich ihn im Rahmen meiner Ausbildung zum Kinderarzt und Kinderkardiologen kennenlernte.

Seine Leidenschaft für die Musik ließ ihn nie los: So erinnere ich mich, dass Werner und Hannelore Schuster damals häufig nach Dienstschluss mit dem Auto nach München brausten, um den legendären Bach- Interpretationen von Karl Richter zu lauschen und spät abends wieder nach Erlangen zurückzukehren. Schon damals waren beide des öfteren zu Gast bei den Bayreuther Festspielen, um in die Opernwelt Richard Wagners einzutauchen.

Über seine ärztliche Tätigkeit hinaus hatte Werner Schuster vor allem eine Eigenschaft, die man heute als die eines „Netzwerkers“ bezeichnen würde: Zusammen mit Prof. Konrad Bühlmeyer, Leitender Kinderkardiologe am v. Hauner’schen Kinderspital in München, arbeitete er an der Entwicklung eines speziellen Röntgengerätes für Thoraxaufnahmen bei Kindern, dem „Thoracomaten“, und nutzte dann in Erlangen die Nähe zur Fa. Siemens intensiv zur Entwicklung eines speziellen Kinderdurchleuchtungsgerätes, dem späteren „Infantoskop“, das weitgehend ferngesteuert bedient werden konnte.

Nach der Berufung zum Leiter der selbständigen Kinderradiologischen Abteilung im Radiologischen Zentrum der Universität Gießen 1974 bekam Werner Schuster das „Infantoskop“ zur weiteren Verbesserung und Adaptation zusätzlicher Techniken schließlich ganz zur Verfügung gestellt, Ausdruck der Anerkennung eines gedeihlichen Zusammenwirkens, das auch viele freundschaftliche Verbindungen begründete.

In dieser Zeit zeichnete sich die zunehmende Bedeutung der Ultraschalldiagnostik für die Pädiatrie ab, und Werner Schuster gelang es, eines der ersten Geräte für den Einsatz in seiner Abteilung zu organisieren, was u.a. vielen hospitierenden Kollegen aus dem In- und Ausland die Möglichkeit eröffnete, diese neue Technologie kennen zu kernen und bei sich zu installieren.

Von 1982 bis 1992 war Werner Schuster 1. Vorsitzender der Gesellschaft für Pädiatrische Radiologie (GPR). Aufgrund seiner vielfältigen persönlichen Verbindungen zu führenden Vertretern der Pädiatrie und Radiologie konnte er nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung des Teilgebietes Pädiatrische Radiologie im Verbund der radiologische Disziplinen nehmen und die Weiterbildungsordnung entsprechend mitgestalten.

Seine langjährige zusätzliche Tätigkeit als Prodekan an der Universität Gießen wirkte sich nicht nur auf die kontinuierliche Entwicklung und Organisation des Dekanates Humanmedizin, sondern auch auf das Weiterkommen seiner Mitarbeiter und die Entfaltung seiner eigenen Abteilung aus: Nacheinander habilitierten sich drei Kinderärzte im Fach Radiologie/ Kinderradiologie unter seiner Leitung!

Mit Beginn des Ruhestandes kehrte Werner Schuster mit seiner Frau wieder in das geliebte München zurück. Sie konnten sich nun, unbeschwert von beruflichen Verpflichtungen, vor allem den musikalischen Genüssen der Opern- und Konzertwelt hingeben. Das Opernhaus und der Herkulessaal lagen gleichsam vor der Haustür, und wenn Spielpausen waren, wurden umliegende Festspielstätten intensiv besucht.

Werner Schuster war ein sehr offener, geselliger und großzügiger Mensch, der es verstand, Kontakte herzustellen, sie aber auch über lange Zeit hinweg aufrecht zu erhalten und zu pflegen. Er war zudem stark vom evangelischen Glauben geprägt, ließ der Kirche viel Unterstützung zukommen und bot über lange Jahre ehrenamtlich Telefonseelsorge an.

Er war mit dem Smartphone „digital“ ebenso flink wie mit seinen „Fingerübungen“ auf der Tischplatte, die wohl noch aus seiner Pianistenzeit stammten. Eigentlich hätte man ihm dafür ein tragbares Reiseklavier schenken sollen, wie Franz Liszt es bei sich hatte, um seine Fingerfertigkeit zu trainieren.

In seinen letzten Jahren machten ihm zunehmend die Symptome eines erst im Ruhestand genauer zugeordneten syndromalen Krankheitsprozesses zu schaffen. Er musste immer wieder längere Klinikaufenthalte mit teils intensivmedizinischer Behandlung über sich ergehen lassen. Sein schier unbändiger Lebenswille machte es ihm aber möglich, sich immer wieder aufzuraffen und nach Hause zurückzukehren – bis seine Kräfte nicht mehr reichten und er am 13. Dezember 2017 starb.

Im engeren Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis fand am 15. Januar 2018 in der Evangelisch- lutherischen St. Lukas- Kirche in München eine mit ergreifender Kirchenmusik untermalte Trauerfeier statt, in der die Person Werner Schusters noch einmal gewürdigt wurde.

 

 

 

                                                                                                            Nürnberg, im Januar 2018
                                                                                                             Prof. Dr. Marbod Reither