Gesellschaft für Pädiatrische Radiologie

Leitlinien Pädiatrische Radiologie

 

Leitlinie: Harntransportstörung bei Kindern - Bildgebende Diagnostik

Vorbemerkung:
Die Patienten haben einen unauffälligem Urinbefund und keine klinischen Zeichen, die auf einen Harnwegsinfekt hindeuten. Sonst: Siehe > Leitlinie: Harnwegsinfekt - Bildgebende Diagnostik).

Definition: Der Verdacht auf eine relevante Harntransportstörung besteht bei einer so-nographisch erkennbaren Erweiterung des Nierenbeckens auf über 10 mm insbesondere mit Übergreifen auf die Kelche und /oder des konstant erweiterten retrovesikalen Ureters auf über 4 mm.

Beurteilt werden: Nierenbeckenweite, Kelchkonfiguration, Parenchymechogenität und -dicke, Ureterweite.
Die Kinder sollten ca. 60 min nach Flüssigkeitsaufnahme sonographiert werden.

Ziel: Erhaltung oder Normalisierung der Nierenfunktion.

 

A. Neugeborenes: Einseitige Dilatation der ableitenden Harnwege, pränatal entdeckt

Untersuchung Zeitpunkt Befund Konsequenz Kommentar
1. Sonogramm bis zum 6. Lebenstag - normalisiert keine erstes Sonogramm nicht vor dem 3. Lebenstag
- gleichbleibend pathologisch US-Kontrolle in 2. Woche  
- stark zunehmend kurzfristige US-Kontrolle NF-SZ in der 4. Woche (ev. Furosemid-Sonogramm)
2. Sonogramm in der 2. Woche - normalisiert US-Kontrolle in 6 Monaten  
- gleichbleibend pathologisch US-Kontrolle in der 4. Woche  
- stark zunehmend NF-SZ* in der 4. Woche (ev. Furosemid-Sonogr.) MCU** (eventuell erst präoperativ)
3. Sonogramm in der 4. Woche - normalisiert US-Kontrolle in 6 Monaten  
- stark zunehmend oder gleichbleibend pathologisch NF-SZ* sofort bzw. in der 6. Woche  
4. NF-SZ* 4.-6. Woche a. Abfluß > 50% a. US-Kontrolle alle 4 W.  
b. Abfluß 40-50% u. N.-Funktion 40-50% b. US-Kontrolle alle 4 W. In den Fällen b. u. c. MCU
(ev. erst präoperativ)
c. Abfluß < 40% u. N.-Funktion < 30% c. Intervention

NF-SZ = Nierenfunktionsszintigramm; *alternativ MR-Funktions-Urogramm
**alternativ sonographische oder nuklearmedizinische Refluxprüfung

 

B: Männl. Neugeborenes: Beidseitige Dilatation der ableitenden Harnwege

Untersuchung Zeitpunkt Befund Konsequenz Kommentar
Sonogramm erster Lebenstag pathologisch MCU zum Ausschluß e. infravesikalen Obstruktion
Nierenfunktions-Szintigramm* 6. Lebenswoche     Bestimmung der seitengetrennten Funktion und des Abflusses

*alternativ MR-Funktions-Nephrogramm

 

C: Kinder jenseits der Neugeborenenperiode: Einseitige Dilatation der ableitenden Harnwege

Untersuchung Befund Konsequenz Kommentar
Sonogramm a. pathologisch a. Kontroll-Sonogr., ev. Furosemid-Sonogramm*  
b. stark pathologisch, kleine Niere b. NF-SZ*, MCU b. Nierenparenchymdicke < 5mm, kleine Niere. Nur proximaler, nicht auch distaler Ureter dilatiert: i.v. Pyelogramm oder MR-Urogramm

*alternativ MR-Funktions-Nephrogramm


Verfahren zur Konsensbildung:
Leitlinienkommission der Gesellschaft für Pädiatrische Radiologie
Dr. E. Horwitz,
Prof. Dr. M. Reither,
Prof. Dr. E. Rupprecht,
Prof. Dr. K. Schneider,
Prof. Dr. R. Schumacher (Koordinator, E-Mail: schumach@mail.uni-mainz.de),
Dr. C. Schröder,
Prof. Dr. B. Stöver.

Die Leitlinienentwürfe wurden auf mehreren Sitzungen der Leitlinienkommission diskutiert, revidiert und verabschiedet.

Revision geplant: 2007