Handlungsempfehlung für den Umgang mit Patienten mit vermuteter Tuberkulose

In Anbetracht der rasant steigenden Flüchtlingszahlen und der damit verbundenen Herausforderungen an die kinderradiologischen Abteilungen, erscheint es sinnvoll, eine Handlungsempfehlung für den Umgang mit Patienten mit vermuteter Tuberkulose zu geben:

Kinderradiologische Abteilungen in ganz Deutschland werden derzeit mit einer steigenden Anzahl von Kindern aus Flüchtlingsfamilien konfrontiert. Regelmäßig werden dabei diagnostische Abklärungen einer vermuteten Tuberkulose angefordert.

Für die Durchführung derartiger Untersuchungen gelten in Deutschland folgende Maßgaben:

Die Notwendigkeit von Röntgenuntersuchungen zum Ausschluss einer ansteckungsfähigen Lungentuberkulose geht auf §36 Abs. 4 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) zurück. Dort heißt es: „Personen, die in [...] eine Gemeinschaftsunterkunft für Obdachlose, Flüchtlinge, Asylbewerber [...] aufgenommen werden sollen, haben vor oder unverzüglich nach ihrer Aufnahme der Leitung der Einrichtung ein ärztliches Zeugnis darüber vorzulegen, dass bei ihnen keine Anhaltspunkte für das Vorliegen einer ansteckungsfähigen Lungentuberkulose vorhanden sind. Bei Aufnahme in eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge, Asylbewerber [...] muss sich das Zeugnis bei Personen, die das 15. Lebensjahr vollendet haben, auf eine im Geltungsbereich dieses Gesetzes erstellte Röntgenaufnahme der Lunge stützen; bei erstmaliger Aufnahme darf die Erhebung der Befunde nicht länger als sechs Monate, bei erneuter Aufnahme zwölf Monate zurückliegen. Bei Schwangeren ist von der Röntgenauf-nahme abzusehen; stattdessen ist ein ärztliches Zeugnis vorzulegen, dass nach sonstigen Befunden eine ansteckungsfähige Lungentuberkulose nicht zu befürchten ist. § 34 Abs. 4 gilt entsprechend. [...] Personen, die nach Satz 1 ein ärztliches Zeugnis vorzulegen haben, sind verpflichtet, die für die Ausstellung des Zeugnisses nach Satz 1 und 2 erforderlichen Untersuchungen zu dulden. [...]“


Demnach ist eine Röntgenuntersuchung der Lunge nur für Personen ab 15 Jahren, die nicht schwanger sind, verpflichtend. Eine Einwilligung der Asylsuchenden muss nicht vorliegen, denn sie haben diese Untersuchung zu dulden. Nach § 36 Abs. 5 IfSG wird das Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit (Artikel 2 Abs. 2 Satz 1 Grundgesetz) insoweit eingeschränkt. Dies schlägt sich auch in § 62 Abs. 1 Asylverfahrensgesetz nieder, wo es heißt: „Ausländer, die in einer Aufnahmeeinrichtung oder Gemeinschaftsunterkunft zu wohnen haben, sind verpflichtet, eine ärztliche Untersuchung auf übertragbare Krankheiten einschließlich einer Röntgenaufnahme der Atmungsorgane zu dulden.“


Bei Kindern unter 15 Jahren und bei Schwangeren sollte statt einer Röntgenuntersuchung ein IGRA oder THT durchgeführt werden. Auch für diese Untersuchungen besteht eine Duldungspflicht. Sollte aufgrund von klinischen Anzeichen einer Tuberkulose bei diesen Personen dennoch eine Indikation für eine Röntgenuntersuchung vorliegen, so liegt die Veranlassung im Ermessen des Arztes.