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Forschungsnetzwerk Kinderradiologie

Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,

Liebe Mitglieder der GPR und der AG  Pädiatrische Radiologie in der DRG,

Im Namen der neu gegründeten Forschungskommission der GPR möchten wir Sie in Zusammenarbeit mit der AG Pädiatrische Radiologie der DRG über unsere geplanten Aktivitäten informieren. Darüber hinaus bitten wir Sie um Ihre Mithilfe, um die wissenschaftliche Präsenz der deutschsprachigen Kinderradiologie zu verbessern. Dazu finden Sie einen Fragebogen unter https://www.surveymonkey.de/r/NPZBNKN

Die Beantwortung dauert nur etwa 10 Minuten. Wir bedanken uns herzlich für Ihr Engagement und hoffen sehr auf Ihre zukünftige Mitarbeit an den Projekten, in welcher Form auch immer!

Hintergrund

Wie wir alle wissen, spielt aufgrund der vorrangigen klinischen Versorgung die wissenschaftliche Arbeit innerhalb der kinderradiologischen Community leider nur eine nachgeordnete Rolle. Dies ist umso bedauerlicher, da hierdurch nicht nur verzögert technische Innovationen in unserem Fach ankommen bzw. angewendet werden, um den Kindern zugutezukommen (Beispiel High-End CT-Geräte), sondern auch insbesondere im Bereich der universitären Landschaft personelle Ressourcen in Form von wissenschaftlicher Freistellung nicht oder so gut wie nicht vorkommen.

Um diesem Teufelskreis aus Isolation, Einzelkämpfertum sowie mangelhafter Zeit und Expertise für wissenschaftliche Anstrengungen etwas entgegensetzen zu können, hat die Forschungskommission der GPR sich zum Ziel gesetzt, multizentrische Aktivitäten/Studien, die perspektivisch antragsfähige Projekte mit Drittmittelfinanzierung generieren können, zu initiieren. So könnten wir hierdurch unsere „eigene kinderradiologische Forschung“ realisieren und wären nicht nur der Bilderliefererant und bestenfalls Juniorpartner anderer bzw. in Studienprotokolle ohne echte Teilhabe eingebunden. Darüber hinaus könnte das Interesse der Industrie, insbesondere der Gerätehersteller und Softwareentwickler, an unserem Fach gesteigert werden.

 Idealerweise wird jedes Kind mit einer seltenen Erkrankung (z.B. Tumorerkrankung) im Rahmen einer klinischen Studie behandelt. Die Ergebnisse der  bildgebenden Diagnostik fungieren zwar als primäre oder sekundäre Zielkriterien. Die Weiterentwicklung bildgebender Verfahren und Überprüfung neuer und innovativer Ansätze zur Beurteilung eines Therapieeffektes sind aber in der Regel nicht Teil dieser klinischen  Evaluation. Die neuen diagnostischen Verfahren sollten aber ebenfalls in den interdisziplinären Studien kontrolliert überprüft werden. Die GPR und AG Kinderradiologie wollen hier Maßstäbe setzen: Jedes Kind mit invasiver (z.B. KM-Gabe, Stahlenexposition)  bildgebender Diagnostik gehört in eine diagnostische Studie.

 In der Vergangenheit waren Multicenter Ideen in der Kinderradiologie nicht breit aufgestellt, da sich für die meisten Teilnehmer eine Mitarbeit nicht lohnte. Eine Erwähnung im Acknowledgement oder irgendwo in der Autorenzeile ist für die meisten von uns bei bekanntermaßen knappen Ressourcen uninteressant. Daher wollen wir Ihnen vier wissenschaftliche Projekte beispielhaft vorstellen, von denen wir glauben, dass sie unter Umständen in wechselseitigem Interesse sind, aber insbesondere keine Einbahnstraße darstellen sollen. Auch jüngere Kollegen/innen könnten so motiviert werden.

 Unser Fach ist methodenorientiert und geprägt von technischen Innovationen. Kernpunkt der Idee ist ein Teilen (Sharing) methodischer Anwendungen,. die auch im klinischen Alltag unabhängig von einer Studie sinnvoll nutzbar sein könnten. Ausgehend von einer Methode, zum Beispiel ein abgestimmtes und angeleitetes Ganzkörper-MRT- Protokoll oder eine Auswertesoftware für Tumorvolumen und ADC-Mapping, sollen die vor Ort generierten Bild-Daten auf eine Plattform überspielt werden, um von dort aus weiter bearbeitet werden zu können. Jeder Nutzer der Plattform kann im Rahmen eines individuellen (Teil-)Projektantrages zum Beispiel ein eigenes Studienvorhaben durchführen oder sich an vorhandenen beteiligen.

Grundsätzlich soll keine zwingende Gegenleistung für eine bestimmte zur Verfügung gestellte Methode erforderlich sein. Ziel ist es, zunächst bespielhaft an konkreten Projekten in Form von Beobachtungsstudien das Netzwerk zu etablieren.

Das folgende Schaubild soll die Idee illustrieren. Als zentralen Datenspeicher kann die DRG eine Plattform zur Verfügung stellen. Ein Lenkungskreis aus Mitgliedern der Forschungskommission und den Hauptstudienzentren sind hierbei zentral eingebunden und sollen projektbezogene Entscheidung begleiten.

Forschungsnetzwerk Kinderradiologie

Je nach Interesse, Expertise und Ressourcen sind die Zentren unterschiedlich beteiligt: entweder als Hauptstudienzentrum/en (○/ mit Nummern des Zentrums) als Mitglied der Studiengruppe oder ausschließlich kooptiert mit der Möglichkeit am Prozess teilzunehmen ohne eigene Daten zu liefern. Alle Zentren k ö n n e n Daten   liefern (< ---) (müssen es aber nicht!), und erhalten Methoden und Knowhow (→).

 Projektideen

 Im Folgenden werden vier mögliche Projekte skizziert:

 Projekt 1 (JF Schäfer, Tübingen; F Körber, Köln):

 Titel: Volumetrie und ADC Mapping des Primärtumors vor und nach Lokaltherapie des Neuroblastoms

 Ziel: Beurteilung des Ansprechens des Primärtumors auf Chemotherapie sowie Detektion und Charakterisierung des Resttumors nach Resektion im Vergleich zum Outcome.

Methoden: Prospektive, multizentrische Datensammlung, Auswertung mittels spezieller Software für 3D ADC Mapping des Primärtumors.

 Know how: harmonisiertes MRT Protokoll, standardisierte Auswertung und Befundung.

 Projekt  2 (J Herrmann, Hamburg):

 Titel: Läsionsdetektion in Thorax CT bei Kindern- und Jugendlichen - Vergleich AI basierte Diagnostik vs. standardisierte radiologische Befundung

Ziel: Aufbau einer Bilddatenbank von CT von Kindern- und Jugendlichen mit folgenden  Einschlusskriterien: Staging bei verschiedenen Primärtumorerkrankungen oder Trauma, und andere.

 Methoden: Prospektive, multizentrische Datensammlung von pädiatrischen Thorax CT, Auswertung mittels spezieller automatisierter Software zur Läsionsdetektion, Performance automatisierte Software/AI vs. standardisierte Befundung,  Erfassung der Häufigkeit von pulmonalen Läsionen unterschiedlicher Größe und Lokalisation, Kriterien der Dignität im Vergl. Histologie bzw. Follow-up.

Know-how: Harmonisiertes CT Thorax Protokoll, Aufbau eines Datenbankkollektives pädiatrischer Patienten, das für unterschiedliche Projekte herangezogen werden kann, z.B.  Weiterentwicklung AI basierte Diagnose-Methoden aus einem Forschungsverbund der DRG/GPR.

 Projekt 3 (J Herrmann Hamburg):

Titel: Wachstumsfugen und quantitative Korpelbildgebung im Knie und Sprunggelenk MRT bei Kindern- und Jugendlichen

Ziel: Quantitative Analyse der Reifungsprozesse am kindlichen Knie- und Sprunggelenk unter besonderer Berücksichtigung von Varianten des Epiphysenverschlusses, der Knorpelbildgebung und Knochenmarkstransformation.

Methoden: Prospektive, multizentrische Datensammlung, Auswertung mittels spezieller automatisierter Software zur Analyse des Epiphysenverschlusses, Knorpelbildgebung, Knochenmarkstransformation.

Know-how: Harmonisiertes MRT Knie/Sprunggelenks-Protokoll, Datenbankprogrammierung zur Erfassung von Varianten der Skelettentwicklung und pathologischer Prozesse (Erarbeitung eines Referenzstandard), automatisierte quantitative Analysemethoden der Skelettreifung (u.a. deep learning).

Projekt 4 (JF Schäfer Tübingen, HJ Mentzel Jena, G Hahn Dresden):

Titel: Standardisierte bildmorphologische Beurteilung von Lungenveränderungen bei zystischer Fibrose in der nativen  Thorax MRT

Ziel: Standardisierte bildmorphologische Beurteilung des Krankheitsstadiums zum Zeitpunkt der Erstvorstellung und im Verlauf, um ergänzend zu den klinischen Parametern ein möglichst optimales Therapiemonitoring zu ermöglichen.

Methoden: Prospektive, multizentrische Datensammlung, retrospektive Auswertungen, einschließlich (z.B. Tübinger CF-Scores).

Know how: Harmonisiertes MRT Protokoll mit einer speziell auf die Fragestellung optimierten koronaren Ultra-short echo-times (UTE)-Sequenz, standardisierte Auswertung und Befundung.

 Mit besten Grüßen                                                     Tübingen, den 15.8.2020

 

Prof. Dr. Jürgen Schäfer

AG Vorsitzender pädiatrische Radiologie der DRG

Sprecher der Forschungskommission der GPR

Dr. Gabriele Hahn

Mitglied des Vorstands der GPR

Mitglied der Forschungskommission der GPR

 

PD Dr. Jochen Herrmann

Mitglied der Forschungskommission der GPR

veröffentlicht am Mittwoch, 2. September 2020